Mitgliederversammlung Pro Friuli 2024
25. Mai 2024 im Raum für Literatur, St. Leonhardstrasse 40, St. Gallen

Der Präsident Davide Scruzzi begrüsst rund 25 Vereinsmitglieder und Freunde von Pro Friuli. Einen speziellen Gruss entbietet er den Mitgliedern der St. Galler Regierung Laura Bucher, Bruno Damann, Beat Tinner, Ständerat Benedikt Würth und Kantonsrat Hans Oppliger. Die statutarischen Geschäfte konnten speditiv erledigt werden, Jahresrechnung 2023 und Jahresbericht 2023 wurden oppositionslos genehmigt, der Mitgliederbeitrag unverändert auf Fr. 30 pro Person und Fr. 100 pro Kollektivmitglied belassen, die Revisoren auf ein weiteres Jahr bestätigt und das Jahresprogramm genehmigt.

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung lud Pro Friuli zu einer öffentlichen Veranstaltung ein zum Thema «Gorizia und die italienische Ostgrenze – ein friaulisches Gebiet mit einer wechselvollen, dramatischen Geschichte», die der Präsident Davide Scruzzi am Anfang mit der Präsentation des Lieds „O Gorizia tu sei maledetta“ und mit einem kurzen Blick auf die Isonzo-Schlachten einleitete.

Prof. em. Dr. Carlo Moos, Zürich, führte durch die Geschichte dieser Region. Nach 1815 zum österreichischen Königreich Illyrien und ab 1849 zum habsburgischen Kronland «Küstenland» gehörend, litt dieser Landstrich unter Spannungen zwischen Slowenen, Serbokroaten, Italienern und deutschsprachigen Österreichern, die nach der Gründung Italiens 1861 durch irredentistische Aktionen befeuert wurden. Im ersten Weltkrieg eröffnete sich Italien die Gelegenheit, seinen territorialen Forderungen an Österreich militärischen Nachdruck zu verleihen, was ab 1915 zu den zwölf Isonzoschlachten führte, die das Land schrecklichen Verwüstungen aussetzte. Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie 1918 fiel das ehemalige Kronland an Italien, während das Gebiet um Fiume von D’Annunzio besetzt und erst Jahre später vertraglich zu Italien geschlagen wurde. Das Gebiet kam nicht zur Ruhe und wurde Schauplatz rassistisch- nationalistischer Gräueltaten des italienischen Militärs vor und während des Zweiten Weltkriegs einerseits und von Massenvergeltungsexekutionen jugoslawischer Partisanen nach der Kapitulation Italiens (Foibe-Massaker) anderseits. Diese Gewalttaten sind bis zum heutigen Tag nur unzureichend aufgearbeitet, wirken bis heute nach und belasten Familien und Gemeinden bis in die Gegenwart. Nach dem Krieg wurde das Gebiet zwischen Italien und Jugoslawien geteilt, wobei die Grenze in Gorizia mitten durch die Stadt ging. Italien und Jugoslawien folgten unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systemen, welche nicht kompatibel waren, was sich während Jahrzehnten auch durch die Existenz physischer Mauern zwischen den geteilten Gebieten manifestierte. Erst das Ende des kalten Krieges und die Zugehörigkeit Italiens und Sloweniens zur Europäischen Union vermochten die gegenseitige Abschottung aufzuheben und eine gemeinsame Basis dafür zu legen, dass ein gemeinsamer Auftritt der geteilten Stadt Gorizia und Nova Gorica als europäische Kulturhauptstadt überhaupt möglich wurde.
Dieses in einer knappen Stunde magistral entworfene Bild einer zweihundertjährigen Geschichte von Gorizia und dem italienisch – habsburgisch – jugoslawisch/slowenischen Grenzland verdankten die rund 50 interessierten Teilnehmer trotz akustischen Problemen mit grossem Applaus.

Es folgte eine faszinierende Präsentation der Region Friaul Julisch Venetien und der Stadt Gorizia durch Frau Lisa Presotto von Promoturismo Friuli Venezia Giulia, welche auch mit einer umfangreichen Palette friulanischer Spezialitäten (Prosciutto di San Daniele, Montasio-Käse) und Weinen aus den Colli Orientali und dem Collio den abschliessenden Imbiss alimentierte.
